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Pädagogisches Konzept

Pädagogisches Konzept

Pädagogische Konzeption

Der Verein zur Förderung integrativer Vorschulerziehung wurde 1983 gegründet. Dieses Projekt der Selbstverwaltung der Eltern und Erzieherinnen war das erste dieser Art im Bundesland. Der Verein stellt sich die Förderung des Bewusstseins von Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen (Behinderungen) unter Berücksichtigung therapeutischer Förderung zur Aufgabe. Die Bestimmungen des Landeskindergartengesetzes werden eingehalten.

Unser Kindergarten besteht aus 2 Gruppen, in denen 15 bzw. 14 Kinder, davon jeweils drei Integrationskinder, betreut werden. In jeder Gruppe arbeiten zwei pädagogische Fachkräfte gleichwertig zusammen mit einem Zivildiener als männliche Bezugsperson.

„Jedes Kind ist anders. Davon lassen wir uns nicht behindern.“ (> Leitbild)

Seit nunmehr 20 Jahren wird in unserem Kindergarten Integration gelebt. Kinder verschiedener Nationalitäten, Kinder mit verschiedensten Behinderungen, Kinder mit besonderen Bedürfnissen wachsen miteinander auf, spielen gemeinsam, lernen voneinander. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht die soziale Integration, die Förderung der sozialen und emotionalen Entwicklung der Kinder. Jedes Kind kommt als eigenständige Person mit seinem individuellen Hintergrund zu uns und wir sehen es innerhalb seiner Möglichkeiten als entwicklungs- und lernfähig. Jeder Mensch ist einzigartig und wird in seiner Individualität geachtet. Er trägt damit zu einem bunten Miteinander bei. Wir gehen von einer ganzheitlichen Betrachtung des Kindes aus und wollen daher nicht Teilbereiche fördern, sondern die gesamte Persönlichkeit des einzelnen Kindes beachten. Das Kind soll sich als Teil einer Gemeinschaft in einem harmonischen Umfeld entfalten.

Integration kann nur im täglichen Miteinander, im Vorleben und Miterleben gelingen. Eine liebevolle, partnerschaftliche Atmosphäre schafft die Voraussetzung für vielfältige Lernerfahrungen. Das Kind soll sich sicher fühlen! Eine Leitlinie ist uns das Konzept von Professor Dr. Georg Feuser, Professor für Behindertenpädagogik an der Universität Bremen. Prof. Dr. Feuser entwickelte eine umfassende Konzeption einer "Allgemeinen Pädagogik", die eine integrative Erziehung und Unterrichtung aller behinderten Kinder (also unabhängig von Art und/oder Schweregrad der Behinderung) in Regelkindergärten und Regelschulen erlaubt. Er hat diese über 10 Jahre auch in der Kindergarten- und Schularbeit erprobt und wissenschaftlich begleitet.

Integration pädagogisch zu realisieren heißt, dass alle Kinder (ohne Ausschluss behinderter Kinder wegen Art und/oder Schweregrad einer vorliegenden Behinderung) in Kooperation miteinander an/mit einem jeweiligen Gegenstand (Inhalt/Thema/Vorhaben u.a.) auf ihrem gemeinsamen Entwicklungsniveau spielen/lernen/arbeiten. Das Arbeiten mit der Verschiedenartigkeit der Kinder ist für uns Pädagoginnen spannend, lehrreich, eine ständige Herausforderung. Das Konzept des Kindergartens muss im Hinblick auf die sich ändernden Bedürfnisse und Behinderungen Rücksicht nehmen. Das heißt für uns, dass unser Konzept ständig veränderbar sein muss, offen für Neues. Gleich bleibt aber immer die Wertschätzung, das Annehmen des Kindes mit all seinen Stärken und Schwächen. Erziehungs- und Bildungsmöglichkeiten werden von außen zur Verfügung gestellt, das Kind muss sie sich jedoch mit seinen individuellen Möglichkeiten selbst aneignen, also einprägen und verfügbar machen. (vgl. Feuser: Zwischenbericht, 1984, S.28) Bei der Themenauswahl und der Aufbereitung werden nichtbehinderte und behinderte Kinder in gleicher Weise bedacht. Die Raumgestaltung ist darauf ausgerichtet, bei den Kindern vielfältige Interessen zu wecken und Anregungen zu geben; dabei werden behinderte Kinder ausdrücklich mitbedacht.

Der Tagesablauf wird bewusst so organisiert, dass er den Bedürfnissen des einzelnen Kindes, der Kindergruppe und der Erzieherinnen in Bezug auf starke oder weniger starke Strukturen entspricht. Der Kindergartenalltag soll von Hektik freigehalten werden. Es soll Zeit, Ruhe und spezielle Aufmerksamkeit u.a. auch für alltäglich wiederkehrende Dinge wie Aus- und Anziehen, Aufräumen, Händewaschen, Tischdecken usw. eingeplant werden. Im Kindergartenalltag soll Zeit zur Verfügung stehen, in der Kinder Erlebtes und Gesehenes ausprobieren und in selbst gestaltetes Spiel umsetzen können. Wir versuchen Bildungs- und Erziehungsangebote so zu strukturieren, dass jedes Kind die bestmöglichen Entwicklungschancen hat, dass sie also seinem Wahrnehmungs- und Tätigkeitsniveau entsprechen, dabei sollen Gesichtspunkte wie Konkretheit, Anschaulichkeit, Handlungsmöglichkeit, Veränderbarkeit berücksichtigt werden.

Grundsätzlich wollen wir behinderten und nichtbehinderten Kindern gemeinsame Angebote machen. Diese werden so differenziert, dass die kooperative Gestaltung des Zusammenlebens zwischen Behinderten und Nichtbehinderten angestrebt, bewirkt oder unterstützt wird, und dass alle Kinder gemeinsam mit Erfolg teilnehmen und sich dabei als kompetent erleben können. Gleichzeitig werden die Angebote so strukturiert, dass nicht alle Kinder dasselbe tun oder können müssen, sondern dass sie differenziert, entsprechend ihren Möglichkeiten teilnehmen können. Dabei soll Kindern nichts von anderen abgenommen werden, was sie selbst tun können. (vgl. Miedaner, Gemeinsame Erziehung behinderter und nichtbehinderter Kinder, 1986, S. 282f.) Im Laufe der Jahre hatten v.a. die folgenden pädagogischen Strömungen und therapeutischen Konzepte wesentlichen Einfluß auf unseren Umgang mit unseren Kindern: der Situationsansatz, die Montessori-Pädagogik, die ganzheitlich orientierte Kreativitäts- und ästhetische Erziehung und Bewegungserziehung und die sensorische Integration, die eine große Bedeutung für die Entwicklung des Kindes aus dem Bereich der Wahrnehmungsförderung hat. Dabei werden die therapeutischen Behandlungsmethoden und die pädagogischen Konzepte im pädagogischen Alltag immer integrierend aufeinander abgestimmt.

Eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit in einem Integrationskindergarten ist die persönliche Bereitschaft zur kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst und den Normen und Werten unseres gesellschaftlichen Systems und zur Arbeit im Team. Um der spezifischen Förderung der Kinder gerecht zu werden, muss pädagogische Planung mit allen denjenigen, die mit einem Kind arbeiten, gemeinsam durchgeführt werden. Teamarbeit bedeutet, dass sich jede Kollegin mit ihrer eigenen Persönlichkeit einbringen kann und die prozesshafte Arbeit wieder um eine weitere Facette bereichert. Daher fließen einige pädagogische Richtungen, wie die Waldorfpädagogik, die Montessoripädagogik, die „Reggio“-Pädagogik,... in unsere Arbeit mit ein. Die enge Zusammenarbeit mit Logopädin, Ergotherapeutin (und im Bedarfsfall auch mit einer Psychologin) im Kindergarten ist für die Entwicklung einzelner Kinder von großem Vorteil, weil dadurch geeignete therapeutische Maßnahmen in den Gruppenalltag miteinbezogen werden können. Uns ist es wichtig, ein Arbeitsklima zu haben, das wir auch beeinflussen können und in dem wir „wir selbst“ bleiben können.

Mindestens 2mal im Jahr finden Gruppenelternabende statt, in denen Raum ist für den Austausch über die Situation der Kinder in der Gruppe. Es besteht außerdem die Möglichkeit zu Einzelgesprächen zwischen Eltern und Kindergärtnerinnen, um in einem Klima des gegenseitigen Vertrauens das pädagogische Verhalten der Erzieherinnen und Eltern transparent zu machen. „Pädagogen experimentieren und forschen auf hoher Ebene“ (Zitat Georg Feuser) Soziale und gesellschaftliche Integration bedeutet Lebensqualität. Nur wenn die Kinder von Anfang an an einem gemeinsamen Leben teilnehmen können, haben sie die Möglichkeit, sich zu kompetenten, fähigen Persönlichkeiten zu entwickeln, die sich in unserer Gesellschaft zurechtfinden.